Nationalpark Kalkalpen - Grosser Grösstenberg

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Wandern im Nationalpark Kalkalpen, genauer gesagt hinauf auf den Grösstenberg, und damit ein Besuch in Windischgarsten, war mit dieser Wanderung verbunden.

Für ein paar Stunden ausspannen und mit einer Wanderung verbinden - eventuell sogar einen Zweitagesausflug mit Nächtigung in Österreich? Ja, genau soetwas sollte es werden. Bedingt durch einen privaten, nicht aufschiebbaren Termin am Freitag mussten wir den Mehrtagesurlaub unterbrechen, sodass uns für den ersten Teil nur zwei Tage blieben. Den ersten Tag nutzten wir für die Anreise und den zweiten Tag für die Abreise und Nachhausefahrt.

Somit starteten wir am 13.08. bereits um 6:00 Uhr frühmorgens um die Anreise von etwas mehr als 3 Stunden nach Windischgarten zu beginnen.
Windischgarsten liegt im Bezirk Kirchberg an der Krems in Oberösterreich, im Nationalpark Kalkalpen. Mit ca. 2.400 Einwohner eine doch kleinere Stadt - umso schöner ist der Stadtkern, der ruhig und von Tourismus geprägt sehr gepflegt und gut übersichtlich angelegt ist. Die Gastronomie und Hotelerie sind hier wohl ein eingefleischtes Team - denn sie wechseln ihre Öffnungszeiten, angepasst an andere Gastronomen im Ort, entsprechend ab. Wir nächtigten übrigends im 'Das Rössl' - gebucht kurzfristig über einen Online-Anbieter - und bereuten keine Minute dort gebucht zu haben! Hervorragender Service, sehr gepflegtes Zimmer und absolut geniales Frühstücksbuffet! Sehr Empfehlenswert!
Unsere Nachtstätte suchten wir aber erst nachdem wir von unserer Wanderung zurück waren auf ...

Die Wanderung begannen wir um 9:45 Uhr beim Haslersgatter auf 1154 Meter Seehöhe. Die Route zum Grossen Grösstenberg (auf 1724 Meter Seehöhe gelegen) suchten wir uns noch am Vortag aus, sodass wir einen guten Tagesplan für heute hatten - hier war wieder Bergfex - bergfex.at unser Routengeber. Wir wählten aber, wie soviele male schon, den umgekehrten Weg - sprich wir gingen in entgegengesetzter Route, was dem Erlebnis aber nichts abgewinnen konnte. Die Wegstrecke beginnt halt nur etwas angenehmer bis hin zur Weingartlalm.

Einen Teil des Weges teilt man sich mit Mountainbiker, denn hier führt auch eine MTB-Strecke - hier heisst es eben einfach ein wenig Obacht geben, die Ohren öffnen und sich den Weg mit den Bikern teilen. Aber schon bald biegt man vom Weg ab um einen Steig durch Wald- und Almlandschaft zu begehen.

Der Weg zur Weingartlalm ist einfach und angenehm auf gut ausgetretenen Pfaden zu begehen - mal ein Stückchen bergauf, dann wieder bergab, aber eigentlich nie wirklich anstrengend.
Auffallend ist hier die „Waldpflege“, die wohl nicht exsistiert - oder zumindest nicht so, wie man es in unseren Regionen kennt. Der Wald wird seinem eigenen Schicksal überlassen und jeder Baum der stirbt, jeder Baum der fällt, knickt oder sich entwurzelt verbleibt so wie er es eben ist - entwurzelt, geknickt, gefallen und gestorben ... bloss Bäume, von denen scheinbar Gefahr für die Wanderer ausgeht, werden nochmals mit der Motorsäge bearbeitet aber trotzdem an Ort und Stelle liegen gelassen. Sieht man dann etwas genauer hin, so birgt das Totholz wieder neues Leben - teilweise als Baum, aber auch für eine Vielfalt an Waldbewohnern.
Das Konzept des Urwaldes ist hier deutlich erkennbar - scheinbar unberührte Natur ... leben und leben lassen, sterben und sterben lassen.

Nach etwa 2 Stunden Gehzeit erreichten wir dann die Weingartlalm, bei der wir uns niederliessen um eine Verschnaufpause von gut 20 Minuten einzulegen - die mitgebrachte Jause wurde verspeist und die unzähligen Schmetterlinge und bunten Heuschrecken in der Kräuteralmwiese zu beobachten.

Ab hier hiess es dann stetig bergauf - ein Steig in ausgetretenem Untergrund und viele 'Rot Weiss Rote' Markierungen zeigten uns den Weg. Ab hier würde ich sagen, dass gute Trittsicherheit, teilweise Schwindelfreiheit und ausreichend Kondition gefragt sind. Von 1154 Meter Seehöhe rauf bis zum Grösstenberg auf 1724 Meter sind es gut 2 Stunden zu steigen - ja, steigen, denn gehen wäre nicht korrekt ausgedrückt und ein Klettern war's auch nicht ;-)

Auch hier erkennt man, dass Mutter Natur der Vegetation zeigt, dass nicht jedes Holz überlebensfähig ist - es stirbt, knickt oder entwurzelt sich. Waldarbeiter räumen die Steige frei und „sichern“ somit ein Mass an der Wanderfreude, aber die Hölzer bleiben wieder vor Ort. Die Flora hat etwas heroisches an sich - wohl nicht schön, aber doch faszinierend. Ich denke, dass man es mit eigenen Augen gesehen haben muss, damit man das Gefühl hier erkennen kann ... gepaart mit Blick in die Ferne, auf die nahen und fernen Gipfel, ist es ein ganz besonderes Erlebnis.

Der Fels hier ist brüchig und die Hänge nach oben steil, sodass schon mal „Stein von oben“ im Gedanken bleiben sollte. Den Steig würde ich als alpiner Steig bezeichnen - steil hinauf, schmal, mit notwendiger Trittsicherheit und Steinschlaggefahr begehbar.

Mein GPS zeigte 1540 Höhenmeter, und es wären noch geschätzt 30 bis 40 Minuten rauf auf 1724 Meter für uns gewesen, als wir beschlossen umzukehren. Die Entscheidung fiel uns natürlich nicht leicht, aber wir hatten die Wetterfront, die sich über den Gebirgszug rüber zog schon beim Aufstieg in Obacht. Wir hatten wohl entsprechende Ausrüstung für Regen mit, aber wir wussten, dass bei Regen und Gewitter der Steig runter bis zur Weingartlalm nicht unbedingt die Freude am Wandern hochheben würde ... also Umkehr.

Nun den Steig wieder runter um auf Höhe der Weingartlalm uns rechts in Richtung Haslersgatter zu halten. Hier ging der Weg vorerst mal stetig bergab, bis runter wo wir einen etwas grösseren Bach überquerten - ein Gebirgsbach, der uns doch ein schönes Stück des Weges nach oben begleitete.
Der Weg hier ist einfach zu gehen, schottrig aber stetig bergauf. Vorbei am Biwakplatz Steyrsteg und einer bewirtschafteten Alm, die mit den Gewitterwolken im Hintergrund ein echt meisterhaftes Gesamt-Erscheinungsbild gab. Ab hier in etwa verspürten wir auch das erste mal die Regentropfen ... die unsere Umkehr oder den vorzeitigen Abbruch dann doch noch bestätigten ;-)
Die letzte Wegstrecke von ca. 3,5km mit ca. 200 Höhenmetern - die stetig bergauf ging - brachte uns dann um 16:30 Uhr wieder zurück zum Ausgangspunkt unserer Wanderung.



Würden wir hier wieder mal herkommen? Selbstverständlich und definitv!! ... wir müssen ja noch den 'Grosser Grösstenberg' erzwingen ;-)

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